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Notwendigkeit von Lebendnierenspenden

Mit einer Lebend-Nierenspende lässt sich die Zeit an der Dialyse verkürzen oder sogar vermeiden. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil Dialysepatienten ein vielfach höheres Risiko als Transplantierte haben für häufigere Herzinfarkte, Entwicklung einer Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Gefäßverschlüsse Blutarmut, Osteoporose, unerträglicher und kaum beeinflussbarer Juckreiz, Impotenz und weitere mehr.

Eine Transplantation verbessert häufig Leistungs- und Arbeitsfähigkeit und damit oft die Lebensfreude.

Bei Nieren – Lebendspenden sind die Chancen für eine gute und lange Transplantatfunktion erfahrungsgemäß günstiger als bei einer postmortalen Nierenspende. Der Empfänger hat eine verlängerte Lebenserwartung und Lebensqualität.

Eine Lebendnierenspende ist immer freiwillig.

Medizinische Voraussetzungen

Der Spender darf durch die Spende über die Operationsrisiken hinaus nicht gefährdet werden. Deshalb sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Guter Allgemeinzustand
  • Zwei gesunde Nieren mit 80 ml/min
  • Gesunde Herzfunktion
  • Normaler oder gut eingestellter Blutdruck
  • Gesunde Gefäße
  • Keine Nierensteine
  • Kein übermäßiges Übergewicht (BMI <35)
  • Keine psychische Erkrankung
  • Familienplanung sollte abgeschlossen sein.
  • Blutgruppenverträglichkeit, jedoch ist auch AB0-inkompatibel möglich.
  • Eine Kreuzprobe aus Blut vom Spender und Empfänger darf nicht reagieren (muss negativ sein).

Neben den medizinischen Voraussetzungen sollte der Spender auch psychisch stabil sein. Eine Spende ist auch ein Eingriff in die Beziehung eines Paares und sollte gut bedacht werden.

Der Anteil der Lebendspender liegt mittlerweile über 30% aller Transplantationen. Eine Lebendspende ist bereits vor Dialyseeintritt möglich.

Rechtliche Voraussetzungen

Die Organspende unter lebenden Menschen ist nur auf Grund einer starken emotionalen Bindung möglich und akzeptabel. (Transplantationsgesetz, Abschnitt 3, §8) Der Spender muss seine Niere freiwillig und unentgeltlich verschenken. Und der Empfänger muss freiwillig und unentgeltlich dies Geschenk annehmen können. Die "altruistische" Spende, also eine Lebendspende an einen anonymen Empfänger, hat der Gesetzgeber ausdrücklich ausgeschlossen.

Kostenübernahme

Die Kosten der Lebend-Nierenspende trägt –auch bei ausländischen Spendern- die Krankenkasse des Empfängers. Dies gilt auch für die Voruntersuchungen, wenn die Spende im Nachhinein nicht möglich ist.
Eine Entschädigung des Spenders ist in Deutschland gemäß § 17 Transplantationsgesetz verboten. Dem Spender ist jedoch die Dankbarkeit des Empfängers gewiss.

Ablauf

Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes beträgt bei gutem Verlauf 5 bis 8 Tage. Einen Tag vor der Operation werden Spender und Empfänger stationär aufgenommen.
Während der ersten 6-8 Wochen bis zur stabilen Vernarbung dürfen keine schweren Lasten gehoben werden. Bürotätigkeit kann nach 4-6 Wochen wieder aufgenommen werden und wird im Gespräch mit dem nachbetreuenden Arzt festgelegt.

In den Folgejahren wird eine jährliche Nachsorge des Spenders vorgenommen.

Nach der Nierenspende

Langfristig kann das Risiko für einen Bluthochdruck erhöht sein, ebenso zeigt sich direkt postoperativ zeitweise ein Anstieg der Retentionswerte. Die gemessene Nierenfunktion verbessert sich im Laufe des ersten Jahres wieder und bleibt meist im langfristigen Verlauf stabil.

Im Sozialgesetzbuch 5, §27 ist geregelt, welche medizinischen Leistungen dem Lebendspender zustehen. Dazu gehören Vorsorgeuntersuchungen, stationärer Aufenthalt, Nachsorge. Neben den medizinischen Leistungen sind im SGB 5, §27 auch soziale Leistungen wie Fahrtkosten, Verdienstausfall und Reha-Maßnahmen geregelt.

Es konnte in Untersuchungen gezeigt werden, dass Nierenspender langfristig bessere Ergebnisse in anerkannten psychologischen Tests, wie dem Fragebogen zum Gesundheitszustand (SF- 36), erzielen als die Allgemeinbevölkerung.

Lebendspende und Sozialrecht