Dringende Handlungsempfehlung für Betroffene mit chronischer Nierenerkrankung

Wir appellieren an Sie in Sinne aller chronisch Kranken: Setzen Sie alles daran, sich möglichst lange nicht zu infizieren. Wenn Sie können, bleiben Sie zuhause.

Provozieren Sie bitte keine Situationen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, „um es hinter mich zu bringen". Unterbrechen Sie die Infektionskette, so lange und so gut Sie können. Jede Woche, die Sie nicht infiziert werden, hilft Ihnen und anderen. Sie helfen mit, die Epidemie auszubremsen und Todesfälle zu verhindern. Die größte Gefahr durch Covid-19 ist, dass Gesundheitssysteme von vielen Kranken gleichzeitig überwältigt werden. Die Folge sieht man aktuell in Italien. Dort sind nicht genügend Atemgeräte und nicht genügend Intensivpersonal für alle schwer kranken Menschen da.

Ein Großteil der Covid-19-Erkrankungen scheint ohne Komplikationen und eher ähnlich wie Grippeinfekte zu verlaufen. Schwere Verläufe sind aber häufiger als bei der Influenza. Insbesondere Menschen über 60, Diabetiker sowie Menschen mit Herz- und Lungenkrankheiten haben ein Risiko von Komplikationen. Es drohen Lungenentzündungen mit schwerer Atemnot, die z.T. intensivmedizinisch behandelt werden müssen und mitunter tödlich verlaufen können.

So können Sie sich und Ihr Umfeld schützen!

  • Bleiben Sie Zuhause!
  • Händewaschen unterbricht die Übertragungskette, achten Sie darauf, sich generell regelmäßig/häufig die Hände zu waschen. Steht unterwegs keine Waschmöglichkeit zur Verfügung, sollten Sie sich nicht mit den Händen ins Gesicht fassen.
  • Verzichten Sie aufs Händeschütteln und Umarmen.
  • Physikalischer Abstand: Halten Sie nach Möglichkeit mindestens 1,5 Meter  Abstand zu Menschen (die Tröpfchenübertragung funktioniert nur über gut einen Meter), insbesondere wenn jemand an Corona erkrankt oder grippeähnliche Symptome aufweist. Vermeiden Sie Menschenmengen, in denen Sie diesen Abstand zu anderen nicht einhalten können (Konzerte, Fußballtribünen etc.). Bei Menschen mit dialysepflichtiger Nierenerkrankung ist das Immunsystem nicht so stark wie bei gesunden Menschen, daher raten wir Ihnen zur besonderen Vorsicht.
  • Versuchen Sie, möglichst wenig „öffentliche" Gegenstände (z.B. Einkaufskorb, Haltegriffe im Bus, Türklinken etc.) zu berühren bzw. waschen Sie sich danach die Hände oder nutzen Sie ein Desinfektionsmittel.
  • Halten Sie, wenn Sie niesen oder husten müssen, Abstand (mindestens 1,5 Meter) zu anderen Menschen, drehen Sie sich weg und niesen/husten Sie in ein Papiertaschentuch, das sie danach gleich entsorgen. Haben Sie kein Taschentuch zur Hand, niesen/husten Sie in die Armbeuge: Wichtig: Danach Hände waschen oder desinfizieren.

Wenn Sie befürchten, infiziert zu sein:

  • Bitte kontaktieren Sie zunächst telefonisch Ihre Hausarztpraxis und lassen Sie sich beraten. Gehen Sie nicht unangemeldet in die Praxis, sondern vereinbaren Sie einen Termin, damit man dort die Ansteckungsrisiken für Personal und andere Patienten minimieren kann.
  • Wenn Ihre Hausarztpraxis nicht erreichbar ist und Sie medizinische Hilfe benötigen, können Sie auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 rund um die Uhr deutschlandweit erreichen. Mit längeren Wartezeiten muss aktuell gerechnet werden.
  • Setzen Sie sich telefonisch mit Ihrem Dialysezentrum in Verbindung – kommen Sie keinesfalls persönlich in das Dialysezentrum. Es ist wichtig, dass sich jede Dialysepatientin, jeder Dialysepatient daran hält, damit Mitpatienten, Krankenpflege oder Ärzte nicht gefährdet werden.
  • Ihre Nephrologin oder Ihr Nephrologe wird Sie bei einem begründeten Verdacht beraten, wie die weitere Abklärung erfolgt und Ihre Dialyseversorgung gesichert wird.

Bitte wählen Sie nicht (!) den Notruf allein aufgrund eines Infektionsverdachts, damit die Leitung nicht für akut dringende Notfälle blockiert ist (z.B. schwere Atemnot, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Varizenblutungen, Brände).

Hinweise für Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (z,B. PKD)

Nierentransplantierte Patientinnen/Patienten sowie auch Dialysepatientinnen/Dialysepatienten stellen eine Risikogruppe dar, weswegen sie sich besonders vor einer Ansteckung schützen müssen.

Als Nierenpatient ändern Sie bitte nichts an Ihrer Behandlung und ändern Sie nicht die Dosis Ihrer Medikamente. Momentan ist es eindeutig sehr viel gefährlicher, Ihre Behandlung zu ändern, als sie unverändert fortzusetzen. Eine Abstoßung Ihres Transplantats ist viel gefährlicher!

Wer verunsichert ist, sollte mit den behandelnden Ärztinnen/Ärzten sprechen. Keinesfalls sollten Patientinnen/Patienten eigenmächtig ihre Medikamente absetzen oder sich durch Kettenbriefe etc. verunsichern lassen. Beispiel: Corona-Selbsttests durch Luftanhalten sind Humbug, für ältere Menschen oder Raucher ist es normal, danach zu husten. Das ist kein Anzeichen für eine Corona-Infektion!

Hinweise für Dialysepatienten

25.03.2020 (Quelle- Ärzteblatt) – Dialysepatienten gehören in der Corona-Pandemie zu den Risikopatienten – sie haben oft einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion und sterben nach vorlie­gender Datenlage häufiger daran. Das teilt die deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) mit. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) zählt Patienten mit Nierenerkrankungen zu den Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf.

Nach Ansicht der DGfN stehen Nierenpatienten – und insbesondere Dialysepatienten – aber nicht nur in der Reihe der gefährdeten Patientengruppen, sondern haben im Gegen­satz zu den anderen Patientengruppen ein kumulatives Risiko, weil sie mehrere bereits identifizierte Komorbiditen und Risikofaktoren vereinen, insbesondere Herzer­krankungen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Mehr lesen

Hinweise für Transplantierte

Immunsuppression ist vermutlich ein deutlich stärkerer Risikofaktor als CKD.

Hinweise für Betroffene mit Zystennieren (ADPKD)

Chronisch kranke Patienten haben immer ein erhöhtes Risiko. Bzgl. CKD hängt das natürlich auch vom Stadium ab, aber gute Zahlen gibt es hierfür nicht. Immunsuppression ist vermutlich ein deutlich stärkerer Risikofaktor als CKD.

Insgesamt gelten für CKD Patienten die gleichen Empfehlungen wie für die Gesamtbevölkerung, mit dem Bewusstsein, dass chronische Erkrankung immer ein Risikofaktor ist. Momentan sollten sich ja alle von anderen fernhalten.

Empfehlung für Patienten mit Tolvapta n

Derzeit (Stand 24.03.2020) gibt es keine Hinweise bezogen auf Tolvata n und Corona-Virus.

Wenn Sie Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, dunklen Urin, Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut oder Augen), Juckreiz Ihrer Haut oder Gelenk- und Muskelschmerzen mit Fieber haben, können dies Anzeichen dafür sein, dass Ihre Leber nicht richtig funktioniert. Nehmen Sie in diesem Fall Kontakt mit ihrem Nephrologen auf.

Hinweise für Patienten mit seltenen Lebererkrankungen (z.B. #Zystenleber)

Als Leberpatient ändern Sie bitte nichts an Ihrer Behandlung und ändern Sie nicht die Dosis Ihrer Medikamente. Momentan ist es eindeutig sehr viel gefährlicher, Ihre Behandlung zu ändern, als sie unverändert fortzusetzen. Ein Aufflammen von Autoimmunen Lebererkrankungen oder eine Abstoßung Ihres Transplantats ist viel gefährlicher!
 
Prof. Lohse, der Koordinator des ERN RARE-LIVER hat einen Informationsbrief für Patienten mit seltenen Lebererkrankungen zum Verhalten in der Corona-Krise verfasst, siehe anbei. Bitte verbeiten Sie diese Information über Ihre Kanäle.
 
"Ja, es besteht eine Gefahr, aber die Gefahr ist viel geringer, als man es durch die Informationen der Nachrichten vermuten würde, und insbesondere ist sie für Patienten mit Lebererkrankungen und Patienten mit Immunsuppression viel geringer, als man glauben würde. Warum kann ich das sagen? Weil wir jetzt über einige Daten verfügen, vor allem aus China und Italien, aber auch von anderen Orten, die uns echte Ermutigung und Bestätigung
geben.

Mehr lesen (PDF-Dokument) von Prof. Lohse / Uni Hamburg

Mehr Infos zu Zystenleber (PLD)

Telefonische Beratung rund um das Thema SARS-CoV-19

finden Sie unter folgenden Rufnummern:

  • Tel. 0800/0117722: Unabhängige Patientenberatung Deutschland/Bundesgesundheitsministerium (Mo-Do. 8 bis 18 Uhr, Fr 8 bis 12 Uhr)
  • Tel. 115 (www.115.de): Einheitliche Behördenrufnummer (Mo-Fr. 8 bis 18 Uhr)
  • Bei örtlichen Gesundheitsämtern sind zum Teil ebenfalls spezielle Rufnummern geschaltet, die Sie auf den jeweiligen Webseiten dieser Ämter finden.
  • Aktuell beginnen auch Krankenkassen, eigene Hotlines zur Beratung einzurichten. Diese finden Sie auf den Webseiten der jeweiligen Krankenkasse.

  • Unsere PKD-Geschäftsstelle ist derzeit weiterhin telefonisch, per Kontaktformular und email erreichbar. Gerne können Sie ihre Anliegen auf den Anrufbeantworter sprechen, wir melden uns zurück.

Mit längeren Wartezeiten muss aktuell gerechnet werden.

Aktuelle Zahlen zur Ausbreitung

Zahlen und Grafiken zur Ausbreitung in Deutschland und den einzelnen Ländern, mehr lesen

Robert-Koch-Institut, Übersichtsseite

Aktuelle Informationen zu Schutzmaßnahmen, Verbreitung und Verhalten bei Infektionen

finden Sie auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums (anklickbare Links):
Robert-Koch-Institut, Übersichtsseite
Robert-Koch-Institut, häufige Fragen zu Covid-19
Bundesgesundheitsministerium

In englischer Sprache bieten auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das europäische ECDC umfassende Informationen:
Weltgesundheitsorganisation (WHO), Übersichtsseite
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Übersichtsseite

In den kommenden Wochen hoffen wir auf weitere Informationen speziell für Leberkranke. Der europäische Hepatologenverband EASL hat Anfang März Wissenschaftler aufgerufen, ihnen Studienergebnisse zum Thema Lebererkrankungen und Covid-19 zuzusenden; diese werden zunächst geprüft und anschließend im englischsprachigen Journal of Hepatology veröffentlicht. Wir behalten die Entwicklung im Auge und werden Ihnen berichten.

Ausgangssituation

Die weltweite Ausbreitung von COVID-19 wurde am 11.03.2020 von der WHO zu einer Pandemie erklärt. Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Die Zahl der Fälle in Deutschland steigt weiter an.

Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt. Diese Gefährdung variiert aber von Region zu Region. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu. Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

Chronisch Nierenkranke, insbesondere Nierentransplantierte und Dialysepatienten, sind ein Hochrisikokollektiv für Infektionserkrankungen. Ihr Immundefekt sowie die häufig bestehende erhebliche Komorbidität steigern das Risiko für schwere Verläufe aller Infektionen sowie die Gefahr, daran bzw. an sekundären Komplikationen zu versterben.

 

Weitere Informationen

Weitere, aktuelle Informationen sind stets über die Internetseite des Robert-Koch-Instituts oder das jeweils zuständige Gesundheitsamt zu erhalten.

1 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html
2 https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Massnahmen_Verdachtsfall_Infografik_DINA3.pdf?__ blob=publicationFile

 

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

https://www.dgfn.eu/patienten.html

https://www.dnev.de/aktuelles/neuigkeiten/handlungsempfehlung-covid-19/

https://www.diaverum.com/de-DE/Home/

Hintergrundinformationen zum Virus

Quelle: Referent Dr. med. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin