PKD-Betroffener (transplantiert) schildert seine Corona-Erkrankung

Liebe Vereinsmitglieder,

das Thema Corona-Virus (SARS-COVID-19) ist in aller Munde. Aufgrund der chronischen Krankheit, die uns miteinander verbindet gelten wir als PKD Betroffene als Risikogruppe. Das heißt, dass wir uns besonders schützen müssen und von Corona möglicherweise schlimmer betroffen sind, als gesunde Menschen.

Was das genau bedeutet, da können auch Ärzte und Virenforscher -noch- keine verlässliche Aussage treffen. Infizieren wir uns leichter mit Corona, ist die Diagnose ein Todesurteil für uns oder haben wir Chancen, eine Infektion zu überleben? Die Informationen sind vielfältig, die Verunsicherung entsprechend groß. Wir wissen nur, dass Dialysepatienten in der Regel besonders gefährdet sind und Transplantierte zur Risikogruppe gehören.

Vor ein paar Tagen hat uns der Bericht eines Betroffenen erreicht. Er ist PKD Patient und sei 2011 transplantiert. Er hat sich mit Corona infiziert und die Krankheit mittlerweile besiegt. Natürlich ist es eine einzelne Geschichte von einem Patienten, der gesundheitlich auf der Höhe war, gute Fitness hatte und keine weiteren Begleiterkrankungen hatte. Trotzdem hat uns selbst dieser Bericht Mut gemacht. Deshalb haben wir beschlossen, ihn anonym zu veröffentlichen. Wie gesagt – es ist eine einzelne Geschichte, die Hoffnung macht. Sie ist gut ausgegangen. Trotzdem ist natürlich jeder von uns dazu aufgerufen, sich so gut wie möglich vor einer Ansteckung zu schützen.

Ihr PKD e.V. Vorstand

Infektion mit dem Coronavirius - Erfahrungsbericht eines PKD-Patienten (Zystennieren) nach Nierentransplantation

"Ich gehöre mit 60 Jahren und als Zystennieren-Patient (transplantiert im Jahr 2011) zur Risikogruppe.

Einen Tag bevor die weltweite Ausbreitung des CORONA-Virus am 11. März 2020 von der WHO zu einer Pandemie erklärt wurde, hatte ich mich bei einem Treffen mit meiner Schwester am Dienstag, den 10. März infiziert. Sie hatte drei Tage zuvor Kontakt zu Skifahrern, die am Samstag, den 7. März 2020 aus Ischgl heimgekehrt waren und ließ sich - nach Symptomen testen. Freitag, den 13. März erhielt sie die Nachricht, dass ihr Test positiv war und meldete mich dem Gesundheitsamt als Kontaktperson. Damit ordnete das Gesundheitsamt ab diesem Freitag für mich und meine Familie eine sofortige 14-tägige häusliche Quarantäne an.

Erste Symptome traten bei mir dann auch an diesem Freitag gegen Abend mit Halsschmerzen und Hustenreiz auf. Am Sonntag kamen heftige Kopfschmerzen dazu, sodass ich mich am Montag beim Hausarzt meldete und mich auch testen ließ. Zwei Tage später, am Mittwoch den 18. März erhielt ich die Bestätigung, dass meine Probe positiv war. Ich war an Corona erkrankt.

Am gleichen Tag habe ich mich mit der mich betreuenden Ärztin des Transplantationszentrums in Verbindung gesetzt und mich über die Verhaltensweisen bei bestätigter Corona Infektion informiert. Die erste Information war, dass zum damaligen Stand (18. März) keine erhöhten Risiken für Transplantierte, bzw. Patienten mit Immunsuppression bekannt sind und die Dosierung der Medikamente unverändert fortgeführt werden soll.

Neben den bekannten Hygiene- und Social Distancing-Maßnahmen ist das oberste Gebot die Lunge zu unterstützen, d.h. darauf achten, dass 1.) die Raumluft nicht zu trocken ist und 2.) die Virenlast im Rachen, d.h. die Menge der Viren im Rachenraum, reduziert wird. Zum Beispiel wurde empfohlen, alle halbe Stunde heißes Wasser/Tee zu trinken, damit Viren in den Magen gespült werden (wo sie vernichtet werden). Oder auch Spülen mit Salzwasser oder Mundwasser, außerdem Vitamine zur Stärkung, Obst, frisches Gemüse und keine Überanstrengungen oder intensiven Sport.
In dieser frühen Phase der Krankheit geht es im Wesentlichen darum, zu vermeiden, dass die Viren vom Rachenraum tief in die Lunge gelangen.

Zusätzlich wurde berichtet, dass bei den ersten Infektionen in Deutschland beobachtet wurde, dass bei Patienten der Geschmackssinn verloren geht. Den Verlust des Geschmacksinns für 6 Tage und die allmähliche Besserung über weitere 4 Tage kann ich sowohl bei meiner Schwester, als auch bei mir und bei meinen Familienangehörigen, die in der Folge auch infiziert wurden, bestätigen. Weitere Symptome neben Hustenreiz und Halsschmerzen, waren Müdigkeit/Abgeschlagenheit und Schnupfen. Die Körpertemperatur erhöhte sich nur mäßig und stieg während der gesamten Infektionszeit auf maximal 38 Grad.

Ich war wenig belastungsfähig und sehr schnell erschöpft, aber ich konnte sehr viel schlafen. Die Berichte über den internationalen und nationalen Verlauf der Infektionen hatten wir anfangs sehr interessiert verfolgt. Sie haben uns dann aber zunehmend belastet, sodass wir uns Nachrichten, Sondersendungen und aktuelle Meldungen nur noch vereinzelt angesehen haben.

Im Verlauf der Infektion gab es nach einer vermeintlichen Besserung der Symptome wieder Rückschläge, aber nach 2,5 Wochen Quarantäne und drei Tagen ohne Symptome wurde die Quarantäne Ende März vom Gesundheitsamt beendet.
Die ersten zwei Aprilwochen habe ich über gemäßigte sportliche Aktivitäten (Nordic Walking, leichte, kurze Radtouren und Gymnastik) meine Konstitution wieder aufgebaut und fühle mich seit den letzten zwei Wochen wieder gut belastbar.
Am Donnerstag, den 23. April bin ich dem Aufruf einer Uniklinik für eine Blutspende nach SARS-CoV-2-Infektion zur Unterstützung eines Forschungsprojekts gefolgt und habe mich über den aktuellen Kenntnisstand zu Corona informiert.

Es scheint im Augenblick so zu sein, dass bei sehr schweren Verläufen bei Intensiv-Patienten, eine überstiegene eigene Immunabwehr des Körpers eine große Problematik darstellt. D.h. in diesen sehr ernsten Fällen wird teilweise als Therapie das Immunsystem, das sich gegen den eigenen Körper wendet, supprimiert.

Bei der Frage wie zuverlässig und sinnvoll aktuelle Antikörpertests sind, wurde empfohlen, im Augenblick mit dem Kauf von für die Allgemeinheit angebotenen Tests noch etwas zu warten, bis gesicherte Erkenntnisse über deren tatsächliche Qualität vorliegen. Wenn aber ein Antikörpertest zur Zeit gewünscht wird, dann sollte dieser am ehesten in Abstimmung mit den Hausärzten/Nephrologen und den Laboren, mit denen diese zusammenarbeiten, erfolgen, auch wenn dies zur Zeit wohl noch kostenpflichtig für den Patienten ist.

Als die ersten Meldungen Anfang des Jahres über die Corona-Infektionen in Asien bei uns veröffentlicht wurden, dachte ich, damit darf ich mich auf keinen Fall infizieren. Ich werde alles unternehmen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Dass ich dann der erste positive Patient bei meinem Hausarzt und mutmaßlich auch als Transplantierter meiner Klinik war, hat mich geschockt und ich konnte es kaum fassen. Aus heutiger Sicht bin ich sehr dankbar über den relativ milden Verlauf und denke, dass mir meine relativ gute körperliche Konstitution zu Beginn der Infektion und die Möglichkeit mir viel Ruhe zu gönnen, entscheidend dazu beigetragen haben."

Ihre Rückmeldung

Wir danken unserem Mitglied für diesen Bericht. Haben Sie auch Erfahrungen mit Corona gemacht, so freuen wir uns auf ihre Beiträge, die wir gerne auch anonym veröffentlichen.

Mehr über das Virus

Corona dominiert nicht nur die Medien, sondern auch in zunehmdem Maße die Sorgen vieler von Ihnen bezüglich der Bedrohung für Sie als PKD-Patienten. Deshalb hier einige Informationen und Orientierungshilfen.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Erkrankung Covid-19 verbreiten sich aktuell auch stark in Deutschland. Zahlreiche Schließungen von öffentlichen Einrichtungen und Veranstaltungen sind die notwendige Folge. Ein schützender Impfstoff ist in naher Zukunft noch nicht zu erwarten. Das Virus ist hoch infektiös und auch Testmöglichkeiten sind aktuell eher eingeschränkt vorhanden. Die tatsächliche Zahl der bereits Infizierten dürfte daher deutlich größer sein als die gemeldeten Fallzahlen.

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